Wie schon erwähnt, kam das Stöhrhausteam immer wieder zu Besuch und ich besuchte sie auch regelmäßig. Dadurch würde ich mir rausnehmen zu sagen, dass wir alle zusammengewachsen sind. Ich bin immer froh Mal raus zu kommen und von jungen Leuten umgeben zu sein, auch wenn nichts über meine Dori geht. Das Stöhrhausteam hingegen genießt bei uns die Ruhe, das Rustikale und die hervorragende Gesellschaft von Dori und mir. Für mich ist es einfach eine riesige Bereicherung, dass es die fünf da oben gibt.

Am Sonntag den 27.08. bekam ich auch wieder Besuch und freute mich sehr. Ein Mitarbeiter vom Stöhrhaus hatte bis abends Zeit und wollte etwas wandern gehen, leider war bei uns so viel los, dass ich ihn nicht begleiten konnte. Da die Sicht nicht optimal war, entschied er sich dann doch gegen seine geplante Gipfeltour und wollte stattdessen durch das Mittagsloch zurück zum Stöhrhaus.

Nachdem unsere Gäste weg waren, machte ich meine Arbeit, saß mit Dori und ihrem Enkel zusammen und wir ratschten. Dori war müde und ging schon früh ins Bett. Ihr Enkel und ich saßen noch zusammen und ratschten, bis ich auf einmal Leute rufen hörte. Doris Enkel, hörte nichts und dachte ich täusche mich, ich war mir aber sicher und schaute nach draußen. Vom Gatterl kamen zwei Menschen mit Stirnlampe, ich schaute genauer hin, erkannte die Bergwacht und rief sie herbei. Als sie bei uns standen, lachte ich noch und fragte wen sie so spät denn noch suchen. Sie erwiderten, dass im Stöhrhaus jemand vermisst wird. Ich ging ganz klar von einem Gast aus, doch falsch gedacht. Der Mitarbeiter, welcher noch um ca.14 Uhr bei uns war, wurde gesucht da er am Abend nicht zum Dienst erschien.

Mir rutschte das Herz in die Hose, weil sie zum einen in der falschen Richtung suchten und zum Anderen, weil ich wohl die Letzte war, die mit ihm gesprochen hat und das war nun schon fast acht Stunden her.

Die Bergwacht telefonierte mit unserem Telefon um das neue Suchgebiet mitzuteilen und erst da fiel mir auf, dass es nicht eingesteckt war.

Als die Bergwacht weg war, telefonierte ich mit dem Stöhrhaus und teilte ihnen meinen letzten Stand mit und bat um Infos, sobald sie welche haben. Schlafen war jetzt erstmal nicht möglich und als ca. eine Stunde später das Telefon klingelte, war ich glücklich zu hören, dass sie ihn gefunden haben und er sich bemerkbar machen konnte. Er lebt….so die Aussage der Polizei. Ich vereinbarte mit dem Stöhrhaus, dass ich sobald ich morgen früh alles erledigt habe nach oben komme.

Zur Beruhigung trank ich mit Doris Enkel noch einen Schnaps und ging ins Bett. Die Nacht war super lang und ich war froh, als der Wecker um 5.30 Uhr endlich ertönte und ich aufstehen konnte.

Dann hieß es Aufstehen, alles für Dori zum Rühren vorbereiten und Kühe suchen. Die es an diesem Tag gut mit mir meinten und ich sie trotz Regen und Nebel schnell fand und sie relativ brav mitkamen. Schnell melken, schnell den Rahm aus der Milch drehen und los…so der Plan. Doch Dori bestand darauf, dass ich noch frühstücke, was sicher sehr schlau war.

Nach dem Frühstück ging ich um dreiviertel neun los zum Stöhrhaus. Leider fing es dann auch schon an zu Gewittern, aber nach der schlaflosen Nacht wollte ich unbedingt wissen, wie es ihm geht und nicht mit Dori vor unserem schlecht funktionierenden Telefon auf Infos warten. Ich kam wohlauf im Stöhrhaus an und bekam erstmal Anschiss, weil ich so unverantwortlich bin, dass ich bei dem Wetter herkomme. Nach dem vielleicht nötigen Anschiss umarmten wir uns und hielten, während wir ratschten und ich erneut frühstückte, Telefonwache. Gegen 10 Uhr bekamen wir die Info, dass er noch untersucht wird, einige Brüche, eine Gehirnerschütterung und sich Unterkühlung habe. Nach 12 Stunden war somit auch für mich klar, dass er sehr viel Glück hatte und ich mich etwas entspannen kann.

Mein learning daraus:

Zukünftig werde ich immer jemanden Bescheid geben, wo ich hin wandere und vielleicht sogar eine ungefähre Zeit angeben.

Das Erste-Hilfe- Set ist die letzten beiden Wochen hier am Untersberg immer im Gepäck. (Bei allen anderen Wanderungen habe ich es sowieso immer dabei)-Denn, dass er sich versorgen konnte, gab ihm Sicherheit, Hoffnung und Wärme.

Immer etwas warmes im Rucksack haben und genug zu trinken.

Nie die Hoffnung aufgeben und immer an sich, seinen Körper und an die Menschen die einen gern haben glauben.

https://www.brk-bgl.de/aktuell/presse/meldung/aufwendige-suche-bei-dauerregen-nebel-dunkelheit-bergwacht-findet-schwer-verletzten-abgestuerzten-30-jaehrigen-am-untersberg-mittagslochsteig-und-rettet-ihm-das-leben.html