Kurz gesagt…richtig gut. In den Bergen einzuschlafen und wieder wach zu werden, den ganzen Tag dort zu verbringen, ist ein wahnsinniges Geschenk.
Ich vermisse keine Hektik, kein Fernsehen, kein Terminstress, keine Festivals, keine Feiern (zu mindest bis jetzt)… Die Tage vergehen wie im Flug und dennoch bleibt die Zeit hier oben stehen. Als ich nach drei Wochen telefonierte, realisierte ich das erste Mal, dass sich die Welt unten in der Heimat jedoch weiter dreht. Zum Einen machte mich das Gefühl wahnsinnig glücklich, weil ich schon komplett angekommen bin und zum Anderen war es auch komisch, weil ich bei einigen Sachen dieses Jahr nicht dabei sein kann. Man kann halt nicht alles haben.
Apropos nicht alles haben, die anfangs nicht vorhandene Toilette und die fehlende Dusche, gingen mir bereits nach ankommen auf der Scheim, nicht mehr ab. Ich war selbst erstaunt, wie schnell man sich an Gegebenheiten anpasst und wie schnell einem so etwas egal ist. Eine Toiletten Geschichte erzähle ich euch dennoch, denn als ich es Dori erzählt habe, musste wir herzlich lachen und ich hoffe, ich kann euch zumindest ein Lächeln auf die Lippen zaubern.
Bevor ich zu der tatsächlichen Geschichte komme, ein Erlebnis, das unsere Toilettensituation auf der Scheim beschreibt… Es war Sonntag und viele Leute kamen vorbei, unter anderen Doris Nichte und eine Wandergruppe. Nachdem sich eine Frau der Wandergruppe eine Weißweinschorle bestellt hat und ich ihr sagte, dass es diese hier nicht gibt, war sie bereits sehr entrüstet,aber das sollte nicht der letzte Schock sein. Denn Doris Nichte und ich wurden von ihr kurze Zeit später gefragt, wo die Toiletten seien „es gibt hier keine Toiletten“, antworteten wir im Chor. Die Dame schaute erstaunt und fragte anschließend, welche Toiletten wir denn dann benutzen würden. Doris Nichte antwortete, auf dem Balkon stehend, mit aufrechter Haltung und einem Arm als Geste über die Bergkette gleitend, “ das hier ist unser Toilette“. Die Dame schaute noch verwunderter und meinte, sie wird sich auf dem Weg eine Toilette suchen. Ich kann euch ohne Rücksprache mit ihr sagen, dass diese Suche bestimmt keinen Erfolg hatte.
Da wir also die Natur als Toilette nutzten und das für mich vorab unvorstellbar war, habe ich mich mit ehemaligen Sennerinnen und der Tochter des Almbauerns beraten und sie haben mir die besten „Toiletten“ gezeigt. Mit meiner Wahl wahr ich dann auch sehr zufrieden, genoss die Aussicht von dort und war immer ungestört, bis Tag X. Ich wollte mich auf dem Weg machen, das Toilettenpapier unauffällig unter meinem T-Shirt versteckt und musst mit Entsetzen feststellen, dass meine Toilette nicht zu betreten ist. Nicht weil sie aus sah wie eine Bahnhofstoilette, nein… weil ein Paar zwei Meter von meiner Toilette entfernt Picknick machte. Als ich das Dori erzählte musste sie herzlich lachen und meinte, die werden sich gedacht haben, dieses Jahr gibt’s aber viele Fliegen.
Ok, vielleicht ist es witziger, wenn man es tatsächlich erlebt hat und nicht nur gelesen, wie ihr. Aber zu spät 😉
Ansonsten durfte ich bislang schon viele sehr nette und interessante Menschen kennenlernen und fühl mich unter den Hiesigen als Daußtige richtig wohl.
Lustig finde ich auch, dass mich viele gerne hier unter die Haube bringen wollen würden und mir bereits nach drei Tagen der erste Hochzeiter hoch geschickt wurde, damit er mich begutachten kann…seither ist es um die Verehrer U50 aber eher ruhig.
Viele der Leute, die hier vorbei kommen, fragen mich die letzter Zeit, ob ich es mir so vorgestellt habe. Ehrlich gesagt weiß ich garnicht mehr was ich mir vorgestellt habe oder ob man sich den Alltag hier, ohne es gesehen oder erlebt zu haben, tatsächlich so vorstellen kann. Aber es ist eine super Zeit und ich war, glaube ich, schon lange nicht mehr so glücklich und zufrieden, wie ich es hier mit Dori, den Kühen, dem Untersberg und den Menschen bin.
