Da Dori diese Woche das erste Mal gemolken hat, möchte ich euch gerne mit auf meine ersten Melkversuche nehmen.
Ich durfte bereits zwei Wochen bevor wir „gen Oim gfohrn san“, von Donnerstag bis Samstag auf dem Hof, um unter Anderem die Tiere und das melken kennen zu lernen.
Als ich ankam war es schon spät am Abend, deswegen konnte ich an dem Abend „leider“ nicht mehr melken, aber dafür wartete der Spaß am Freitag in der früh auf mich. Um fünf Uhr klingelte der Wecker, schnell frisch machen und ab in den Stall. Als erstes durfte ich für die Melkmaschine, Almrausch anmelken- was zu meiner Überraschung, richtig gut funktionierte. Als nächstes ging es zu Braunei, denn sie ist super zu melken, wurde mir gesagt. Also ran die Zitzen…doch statt ein starker Strahl, kamen aus den Zitzen Seidenfäden dicke Milchstrahlen. Nach 20 Minuten fing es an, dass meine Finger etwas weh taten und der Eimer noch kaum gefüllt war. Also kam die Bäuerin und übernahm das melken, zeigte mir wie es geht und bei ihr kam richtig viel Milch. Ich habe alles verstanden, es eigentlich sowieso schon gemacht aber probieren wir es nochmal, weiter geht’s! Als ich dann meine Hand wieder an die Zitzen legte, war ich begeistert, denn jetzt funktionierte es auch bei mir. Zu früh gefreut, nach kurzen kam wieder Seide, bis Braunei nach gut 50 Minuten nicht mehr wollte bzw. mit Hilfe der Bäuerin leer gemolken war.
So ging es dann auch am Abend weiter. Meine Hände fingen an zu krampfen und das Braunei zog die Milch bei mir nach oben. Auch gutes Zureden half nicht und es wurde nicht besser. Ich verkrampfte mich, weil ich das doch unbedingt können wollte und auch musste und Braunei merkte das sicher und ließ auch nicht los. Abends im Bett, merkte ich meine Finger schon und es krauste mir vor dem melken am nächsten Morgen, aber hilft ja nichts, da muss ich durch.
Der Wecker klingelt wieder um fünf Uhr und ich gehe in den Stall. Doch heute soll ich nicht zu Braunei, sondern zu Glückei, weil die Bäuerin meinte sie gönnt mir und Braunei mal eine Pause. Also wieder ran an die Zitzen und kaum zu glauben es funktionierte. Nach knapp einer halben Stunde habe ich Glückei leer gemolken- was für ein Erfolgserlebnis.
Danach wieder Richtung Heimat, auf dem Heimweg dachte ich immer wieder daran, dass das melken von Braunei eine große Herausforderung auf der Alm sein wird und mir es ja fast am liebsten wäre, wenn sie nicht dabei wäre. Als ich dann eine Woche vor „gen Oim fohrn“ auf dem Hof ankam, wurde mir gesagt, dass Braunei eingeschläfert wurde, da sie sich das Kreuz gebrochen hat…ich war froh, hatte aber auch ein sehr schlechtes Gewissen, dass ich mir das mein Wunsch war, dass sie nicht mit auf die Alm kommt.
Inzwischen ist das Melken fast eine tägliche Achtsamkeitsübung, denn beim melken musst du im hier und jetzt sein und bei den Tieren.
